Mein erster NaNoWriMo



Dieses Jahr habe ich beschlossen, an diesem verrückten Schreibmonat teilzunehmen.  NaNoWriMo - National Novel Writing Month.  Verrückt?  Na klar!  Wer kommt schon darauf, innerhalb 4 Wochen 50 000 Wörter in die Tastatur zu tippen und zu versuchen, einen ganzen Roman abzuschließen.
Ich jedenfalls nicht.
Auf der anderen Seite könnte es nicht schaden, einmal ein bisschen mehr Tempo vorzulegen.  Denn normalerweise dauert es Monate oder sogar ein ganzes Jahr, bis ich mal ein Projekt abschließe.  Und das ist dann nur der erste Entwurf und keineswegs soweit bearbeitet, dass ich es einem Verlag anbieten könnte.

Da kommt mir so eine Herausforderung wie der NaNoWriMo gerade recht, um herauszufinden, wie schnell ich eigentlich arbeiten könnte, wenn ich mir eine Deadline setze.  Die Wochen vor dem 1. November war ich dann auch schon voller Erwartung und Vorfreude, dachte mir eine grobe Geschichte zum Thema 'Zeitreise' aus, und versuchte skizzenhaft meine Hauptcharaktere zu kreiren.  Ich wurde Mitglied auf der NaNo-Webseite, und las und schrieb auf Facebook mit vielen anderen Schreibwütigen, so dass mir meine Inbox nur so von Antworten überquillte. 

Und dann war er da.  Der erste Tag.  Jetzt hieß es hineinzutauchen in die neue Geschichte, und jede freie Minute meine Tastatur zu bearbeiten, so dass ich mindestens 1600 Wörter am Tag abspeichern konnte.
Zunächst klappte das auch sehr gut.  Der 1.November war ein Freitag, und ich hatte das Wochenende über ein bisschen mehr Zeit, um meine Tagesziele zu erreichen.
Doch danach ging es rapide abwärts.  Ich schrieb nicht nur wenig, sondern garnicht! 
Frust begann sich in mir breit zu machen.  Ich las von anderen, die innerhalb weniger Tage ihr gesamtes Soll erfüllten und über 50 000 Wörter vorweisen konnten, oder wenigsten ihr Tagespensum schafften.
Und ich?  Sollte ich lieber doch aufgeben?

Hier meine Gedanken, warum der NaNo mir zu 'entgleiten' drohte:

Unzureichende Vorbereitung
Ich muss zugeben, dass ich Dinge gern vor mir herschiebe und bis zum letzten Augenblick warte, um sie zu erledigen.  So habe ich auch erst spät begonnen, über meine Romanidee nachzudenken, habe keine schriftlichen Pläne erstellt, sondern nur eine vage Vorstellung in meinem Kopf von dem, was passieren wird.  Meine Charaktere sind nicht ausgereift, ich weiß nur wenig über sie.  Hätte ich mir ein bisschen Mühe gegeben, schon frühzeitig einen schriftlichen Charakterbogen zu erstellen, dann müsste ich meine Protagonisten jetzt nicht erst noch kennenlernen.

Unzureichende Recherchen
Jedes Buch braucht ein gewisses Maß an Recherche, da man nicht über alles Bescheid weiß, und hier und da nun einmal Fragen auftauchen.  Da meine Geschichte zum Teil in der Vergangenheit spielen wird, bzw. einer meiner Hauptcharaktere aus dem Jahr 1813 kommt, sollte ich auch einiges über seine Zeit wissen.  Da wären die Kleidung, Sprache und Umgangsformen, die damals ganz anders waren als heute, aber auch politische Geschehnisse haben großen Einfluss auf die Menschen, und formen ihren Charakter und ihre Handlungsweise.  Ich hate mir zwar  aus der Bibliothek ein paar relevante Geschichtsbücher ausgeliehen und ein bisschen gestöbert, aber es war definitv zu wenig, und so muss ich jetzt während des Schreibens auch immer wieder nachschlagen oder im Internet recherchieren, damit die Handlung in meiner Geschichte nicht ins Stocken gerät.

Schlechte Organisation
In letzter Zeit haben sich verschiedene Projekte angesammelt, die ich noch beenden musste.  Da waren Kunden, die auf Waren warteten.  Arbeiten, die hier zu Hause erledigt werden mussten.  Und so schob ich aus Zeitmangel das Schreiben immer wieder auf.  Es wäre besser gewesen, VOR dem NaNo schon all die Dinge zu erledigen, die erledigt werden mussten, und mir unweigerlich später Zeit stehlen würden. 

Schaffen eines Zeitfensters
Während der ersten Woche habe ich zwar immer dran gedacht zu schreiben, habe es schließlich aber nicht getan, weil ich ... aufräumen, Telefonate führen, arbeiten, kochen, Leute treffen, (fill in the blank) ...musste, und mir kein konkretes Zeitfenster (ich schreibe jeden Tag zwischen 19 - 20 Uhr; ich schreibe 1 Stunde, wenn die Kinder das Haus verlassen haben;  ich schreibe morgens, mittags, abends 15 Minuten im Sprint; etc.) geschaffen hatte, an das ich mich halten konnte. 

Diese vier Punkte haben es mir unmöglich gemacht, in der ersten Woche etwas aufs Papier bzw. auf den Bildschirm zu bekommen. - Mal abgesehen davon, dass ich auch ein paar Tage krank war. 
Aber noch ist ja nichts verloren.  ;-)  Und da ich diesen, meinen ersten NaNo, als Möglichkeit sehe, mich weiterzuentwickeln und als Schriftsteller zu wachsen, versuche ich mal nicht, in Panik zu geraten.
Ich bleibe dabei, auch wenn ich am Ende im Hinblick auf meine Wortwahl nicht gewinnen werde - so lange ich etwas dazulerne und mit anderen netten Schreiberlingen Kontakte knüpfe und versuche, mein Bestes zu geben, habe ich in meinen Augen sowieso gewonnen.


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